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Kunst

THE BEAUTY AND THE BEAST

Heike Müller
Jeden Monat und immer nur am 15. präsentiert widmertheodoridis eine künstlerische Position aus dieser Gruppenausstellung, die sich der Porträtdarstellung widmet. Ausgehend von der Abbildung menschlicher Figuren und Gesichter greift 'The Beauty and the Beast' aktuelle Themen und Begriffe der zeitgenössischen Kunst, wie Repräsentation und Schönheitsideal, Verfremdung und Realität, Identität auf. Die Gruppenausstellung in der neuen Kleinstausstellungsfläche im HORST wird mit der letzten Präsentation am 15. August 2020 abgeschlossen.
Zwischen den Präsentationen freut sich widmertheodoridis gerne auf Besuch nach Absprache.

Wovon erzählen Porträts? Wie sprechen wir über Bildnisse? Und wie verwandelt sich ein kleiner Raum wie der Horst in einen Raum, in dem Bild und Geschichte gleichberechtigt wahrgenommen werden? Porträts hinterlassen genauso wie Schriften Spuren, sind Zeugen der Vergangenheit. Maskierung und Idealisierung einer Person in Form von Standes- oder Rollenporträts können in Erscheinung treten. Im Porträt verständigt sich eine Person mit der Öffentlichkeit über ihre gesellschaftliche Rolle oder ihr Selbstverständnis. Auf diese Weise schreibt sich das Zeitalter, in dem das Porträt entstanden ist, in das Werk ein und rückt es damit für den heutigen Betrachter auf Distanz.

Die Künstler der Renaissance wie Michelangelo (+1564) oder Leonardo da Vinci (+1519) gelten als die ersten Künstler, die sich von ihren Auftraggebern emanzipierten und sich nicht mehr nur als Handwerker, sondern als Schöpfer, als Kreator einer eigenen Welt verstanden. Mit dem Humanismus, der die Würde und Wertigkeit aller Menschen bekräftigte, verbesserte sich auch der gesellschaftliche Status der Frauen. Künstlerinnen wie Artemisia Gentileschi blieben jedoch die Ausnahmen, denn das Studium des menschlichen Körpers war Frauen weiterhin nicht erlaubt. Bis Künstlerinnen Zugang zu einer gleichwertigen, professionellen Ausbildung an den Kunstakademien erhalten sollten, brauchte es die Moderne und das Ende des 2. Weltkrieges. Frauen wie Alice Neel (+1984) mit ihrer Porträtmalerei sowie Elaine de Kooning, die mit männlichen Modellen in den 1950er Jahren Erfolg hatte, zählen im 20. Jahrhundert dabei als wegbereitend für die Karrieren zahlreicher Künstlerinnen.

Ausgangspunkt für Heike Müllers aktuelle Serie von Porträts war der Fund einer Schachtel mit altem Fotopapier worauf sie Menschen aus ihrem persönlichen Umfeld belichtete. Die neuen Abzüge, im Vintage Look, wurden alten Fundfotos gegenüber gestellt. Die Ausstrahlung dieser ihr unbekannten Personen auf den Fotos animierte Heike Müller, Männer im Studio zu malen. Ihre ‘Musen’ sollten schön sein. Fasziniert von Form und Ausdruck zeigt sie nun in zahlreichen Porträts Männer beim Lesen, Liegen, Nachdenken, Ruhen – meist in weissen Hemden. Das Licht ist kräftig und die Gesichter sind sorgfältig ausgearbeitet: private Momente mit, in den Augen der Künstlerin, schönen Männern.

Schönheit! Zwar zählt Schönheit nach wie vor zu den Erwartungen, die man an die Kunst richtet, aber sie lassen sich nicht darauf reduzieren. Die Erkenntnismöglichkeiten durch die Sinne wurden schon von Alexander G. Baumgarten im 18. Jahrhundert beschrieben: Das Kunstschöne überbietet das Naturschöne, die Natur hört auf, unerreichtes Vorbild zu sein, nun geben die Kunst und die an ihre erlernten Sehweisen überhaupt erst den Blick auf die Natur frei. Die schöne “Landschaft”, der “schöne Mensch” ist eine Erfindung der Malerei – in der Natur gibt es nur Wälder, Wiesen, Äcker, Bäume, Berge und Körper. Zu einem Ensemble, das wir in seiner Gesamtheit als stimmig und schön empfinden, wird die Natur erst für einen ästhetisch geschulten Blick.

Heike Müller lebt und arbeitet in Basel. 1993 Malfachklasse Gerrit Rietveld Akademie, Amsterdam und 1995 Abschluss an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Basel. 2017 erhielt sie den Förderpreis der Esther Matossi Stiftung. Müllers Arbeiten werden im In- und Ausland präsentiert und sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, so im Kunstmuseum Thurgau.
Datum
Circus.png
16. Jun. 2020 bis
13. Jul. 2020
Zusatzinformationen
15. Juni, 18:00
16. Juni bis 13. Juli auf Absprache
Veranstalter/-in
widmertheodoridis
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